Brasilien: Lula und Bolsonaro überziehen sich in TV-Duell gegenseitig mit Vorwürfen
Eine Woche vor der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien haben sich Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein Herausforderer Flávio Bolsonaro in einem TV-Duell gegenseitig mit Vorwürfen und Beleidigungen überzogen. Lula entfernte sich am Sonntag demonstrativ kurzzeitig von Bolsonaro und erklärte, er wolle "Abstand zu einem Milizionär" halten. Damit spielte er auf angebliche Verbindungen des Abgeordneten zu kriminellen Banden an, die weite Teile der Armenviertel von Rio de Janeiro kontrollieren.
Der Sohn des früheren ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro reagierte im TV-Duell des Fernsehsenders Band in São Paulo, indem er das auf seine Handinnenfläche geschriebene Wort "korrupt" zeigte. Damit bezog er sich offensichtlich auf eine frühere Gefängnisstrafe Lulas: Zwischen 2018 und 2019 saß dieser mehr als anderthalb Jahre lang wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis.
Lula seinerseits verlangte mehrfach Erklärungen zu Korruptionsermittlungen gegen Flávio Bolsonaro im Zusammenhang mit der Finanzierung eines Dokumentarfilms über seinen Vater Jair. Flávio Bolsonaro verweigerte eine Antwort, woraufhin Lula ihn als "Clown" bezeichnete.
Flávio Bolsonaro seinerseits erwähnte Korruptionsvorwürfe gegen einen "Lulinha" genannten Sohn Lulas. Lula wiederum erinnerte daran, dass Flávio Bolsonaros Vater Jair wegen eines Putschversuchs gegen Lula im Jahr 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt worden war. Jair Bolsonaro ist die Ausübung politischer Ämter bis 2030 untersagt.
Flávio Bolsonaro bezichtigte zudem Lulas Frau Rosangela da Silva der übermäßigen Ausgabe öffentlicher Gelder. "Unverbesserlicher Lügner, Halunke", wetterte daraufhin Lula. "Brasilien wird dich in den Ruhestand schicken", sagte Flávio Bolsonaro an den Amtsinhaber gerichtet.
Der 45-jährige Flávio Bolsonaro war in der ersten Wahlrunde Anfang Oktober überraschend mit 47 Prozent der Stimmen auf dem ersten Platz gelandet. Der 80-jährige Lula erhielt 45 Prozent. Bolsonaro geht nun als Favorit in die Stichwahl vom 25. Oktober, zuletzt konnte Lula in Umfragen aber Boden gutmachen.
K.Lang--MP