Münchener Post - Hunderttausende demonstrieren in Frankreich - erneut gewaltsame Zusammenstöße

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Hunderttausende demonstrieren in Frankreich - erneut gewaltsame Zusammenstöße
Hunderttausende demonstrieren in Frankreich - erneut gewaltsame Zusammenstöße / Foto: JULIEN DE ROSA - AFP

Hunderttausende demonstrieren in Frankreich - erneut gewaltsame Zusammenstöße

In Frankreich sind am dritten Samstag in Folge hunderttausende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem auf die Straße gegangen. Nach Angaben des Innenministeriums demonstrierten landesweit 320.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von einer halben Million Teilnehmern. In Paris und weiteren Städten kam es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, mehr als 290 Menschen wurden festgenommen.

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Allein in der Hauptstadt beteiligten sich nach Angaben der Polizeipräfektur 70.000 Menschen an den Protesten. Der Zusammenschluss von Schüler- und Studentengewerkschaften sprach hingegen von 200.000 Demonstrierenden in Paris. Am vorherigen Protestwochenende hatten die Behörden landesweit knapp 410.000 Teilnehmer gezählt, die Veranstalter sprachen von 800.000 Teilnehmern.

Aus Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen und Plünderungen wie vor zwei Wochen war die Polizei erneut mit einem Großaufgebot von 70.000 Sicherheitskräften im Einsatz. Damals waren Geschäfte und öffentliche Gebäude zerstört und zahlreiche Einsatzkräfte verletzt worden.

Nach einem weitgehend friedlichen Protesttag kam es auch an diesem Samstag erneut zu Ausschreitungen. In Paris bewarfen Maskierte die Sicherheitskräfte mit Pflastersteinen und in mindestens einem Fall mit einem Brandsatz. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Schlagstöcken. Die Polizeipräfektur sprach von "einem harten Kern von mehreren hundert Randalierern". Ähnliche Ausschreitungen wurden auch aus Lyon, Rennes, Bordeaux und Marseille gemeldet.

In der südfranzösischen Stadt Toulouse setzte die Polizei Wasserwerfer gegen eine nicht genehmigte Protestkundgebung mit mehreren tausend Teilnehmern ein. Landesweit kam es zu mehr als 290 Festnahmen, wie das französische Innenministerium am Abend mitteilte. In mehreren Städten hätten "Radikale" versucht, in die Stadtzentren vorzudringen, "mit dem Ziel, Vandalismus und Plünderungen zu verüben", erklärte das Ministerium.

Zuvor waren die Menschen in Paris bei strahlendem Sonnenschein und mit Plakaten wie "Alarm: Klima der Teuerung" oder "Wir wollen nicht unser ganzes Leben damit verbringen, es zu verdienen" durch die Straßen gezogen. Einige von ihnen trugen wegen des Halloween-Festes Verkleidungen.

Ein ursprünglich durch das Stadtzentrum geplanter Protestzug war zuvor gerichtlich untersagt worden. Die Teilnehmer marschierten stattdessen auf der einzigen von der Polizei genehmigten Route durch Wohnviertel im Osten der Hauptstadt. Mehr als 40 Metro-Stationen waren ab dem Morgen geschlossen.

"Wir sagen 'Nein' zur Teuerung, 'Nein' zur extremen Rechten, 'Ja' zu den Forderungen der Schülerinnen und Schüler, 'Ja' dazu, den Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme zu geben", sagte die 31-jährige Camille Guerin bei einer Kundgebung in der westfranzösischen Stadt Nantes. Die Organisatoren kündigten an, den Protest fortzusetzen. Zwei Studentengewerkschaften riefen bereits zu einer Blockade von Universitäten und Gymnasien am kommenden Dienstag und Donnerstag auf.

Der Unmut vieler Demonstranten richtet sich nicht nur gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem. Die Gewerkschaften etwa fordern unter anderem Änderungen im Steuersystem und eine bessere Ausstattung des öffentlichen Dienstes. Ähnliche Jugendproteste hatte es in den vergangenen Wochen in zahlreichen europäischen Ländern gegeben, darunter Italien, Belgien, Spanien und Portugal.

In Deutschland hatte die Gruppierung "GenZ regelt" für Samstag erstmals zu Kundgebungen für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben aufgerufen, denen sich ersten Schätzungen zufolge zehntausende Menschen in mehreren Städten anschlossen. Der Protest verlief laut Behördenangaben weitestgehend friedlich, allerdings meldete die Polizei in einigen Städten den Einsatz von Pyrotechnik.

A.Roth--MP