Spülschwamm als Keimherd: Warum die Bürste hygienischer ist
Der feuchte Spülschwamm in der Küche gilt als größter Keim-Hotspot im Haushalt und ist oft belasteter als das WC. Hygiene-Expertinnen warnen vor Kreuzkontaminationen durch Schwämme, Schneidebretter und Kaffeemaschinen. Ratschläge zur richtigen Reinigung und zum regelmäßigen Austausch der Küchenutensilien.
Wer spontan an einen Keim-Hotspot im eigenen Zuhause denkt, hat meist die Toilette im Kopf. Doch diese Annahme ist nach aktuellen hygienischen Einschätzungen falsch. Der eigentliche Brennpunkt für Bakterien und Mikroorganismen befindet sich in der Küche: der feuchte Spülschwamm. Dr. Selin Temizel, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg, verweist auf eine prägnante Feststellung aus der Forschung: In nur zwei Kubikzentimetern Schwammmaterial könnten mehr Mikroben vorkommen, als es jemals Menschen auf der Erde gegeben hat.
Diese Einschätzung unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Hygienemaßnahmen im Alltag. Carola Ilschner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn, listet eine Reihe weiterer potenzieller Keimquellen in der Küche auf. Neben Küchenschwämmen und Spültüchern zählen dazu auch Handtücher, Schneidebretter, Arbeitsflächen sowie das Spülbecken mit Abfluss und Armaturen. Besonders die direkte Umgebung des Beckens, einschließlich des Spritzwassers, wird als kritisch eingestuft. Häufig übersehen werden beim Putzen zudem Griffe von Kühlschrank, Mikrowelle und Küchenschränken, Gewürzdosen sowie Mülleimerdeckel. Beim Kochen können Krankheitserreger über die Hände auf diese Oberflächen gelangen und sich dort weiterverbreiten.
Die hohe Belastung des Spülschwamms resultiert aus seiner porösen Oberfläche, die ideale Bedingungen für das Wachstum von Keimen bietet. Zahlreiche Studien belegen das Vorhandensein verschiedener Krankheitserreger wie Salmonellen oder E. coli auf Küchenschwämmen. Zudem besteht die Gefahr einer Kreuzkontamination, bei der Erreger vom Schwamm auf andere Flächen übertragen werden. Aus diesem Grund empfiehlt Ilschner, möglichst auf Spülbürsten auszuweichen, die sich einfach in der Geschirrspülmaschine reinigen lassen.
Für den Umgang mit herkömmlichen Schwämmen gelten strenge Regeln. Sie sollten mindestens einmal wöchentlich gewechselt, nach Gebrauch gründlich ausgewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden. Temizel warnt davor, Küchenschwämme in der Mikrowelle zu sterilisieren oder aufzubereiten, da dies kontraproduktiv sein kann. Eine Untersuchung der Hochschule Furtwangen hat ergeben, dass es effektiver ist, verschmutzte Schwämme einfach zu ersetzen.
Auch Spüllappen und Geschirrtücher können Keime übertragen, insbesondere wenn sie für Hände, Geschirr und Arbeitsflächen gleichzeitig verwendet werden. Bei intensiver Nutzung sollten diese Textilien alle ein bis zwei Tage gewechselt und bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel gewaschen werden. Wichtig ist zudem, sie nach der Benutzung so aufzuhängen, dass sie schnell trocknen können, um die Vermehrung von Salmonellen zu verhindern.
Die Häufigkeit der Küchenreinigung hängt stark von der Nutzung intensität ab. Temizel erklärt, dass eine Küche, die nur zum Kaffeekochen oder Aufbacken von Tiefkühlpizza genutzt wird, weniger Aufmerksamkeit erfordert als eine Küche, in der mehrere Personen dreimal täglich mit frischem Essen versorgt werden. Arbeitsflächen sollten nach jeder Nutzung gesäubert und sichtbare Verschmutzungen sofort entfernt werden. Als Faustregel für die übrigen Bereiche gilt: Armatur und Waschbecken ein- bis zweimal wöchentlich putzen, alle ein bis zwei Wochen die anderen horizontalen Flächen. In geschlossenen Küchenschränken genügt meist ein gelegentlicher Frühjahrsputz, sofern Verschmutzungen sofort beseitigt werden.
Für Personen mit einem gesunden Immunsystem sind zu Hause keine Desinfektionsmittel notwendig. Gewöhnliche Haushaltsreiniger und gründliches Wischen reichen in der Regel aus, um die Keimbelastung deutlich zu reduzieren. Allerdings kommt es auch auf die richtige Putztechnik an. Ilschner warnt davor, mit demselben Tuch erst ein mit rohem Fleisch verschmutztes Messer und anschließend die Arbeitsfläche abzuwischen, da dies Krankheitserreger verteilen kann. Man sollte immer von sauber nach schmutzig arbeiten und Wischtücher regelmäßig wechseln. Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sind zusätzliche Hygienemaßnahmen sinnvoll.
Ein weiteres Risiko stellt die Kreuzkontamination dar, wenn rohes Fleisch und anschließend Salat auf demselben Brett geschnitten werden. Temizel empfiehlt daher, für rohe tierische und verzehrfertige Lebensmittel getrennte Bretter zu verwenden und zwischendurch immer die Hände zu waschen. Händewaschen ist vor dem Kochen und Zubereiten von Essen sowie regelmäßig dazwischen die wichtigste Maßnahme, um die Ausbreitung von Schmutz und Keimen in der Küche zu verhindern. Separate Messer sind nicht zwingend erforderlich, sofern sie zwischendurch gründlich sauber gemacht werden.
Ob Holz oder Kunststoff beim Schneidebrett hygienischer ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für rohes Fleisch eignen sich vor allem spülmaschinenfeste Bretter. Holzbretter können bei entsprechender Pflege ebenfalls hygienisch sein. Stark zerkratzte oder beschädigte Bretter sollten unabhängig vom Material ausgetauscht werden, da sich in den Rillen Keime festsetzen können.
Auch im Kühlschrank können sich bestimmte Krankheitserreger wie Listerien bei Kühlschranktemperaturen vermehren. Deshalb sollten Lebensmittel gut verpackt und rohe tierische Produkte getrennt von verzehrfertigen Speisen aufbewahrt werden. Für die gründliche Reinigung empfiehlt Ilschner je nach Nutzung einen monatlichen Rhythmus. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei die Türdichtungen, der Griff sowie die Ablaufrinne und das Ablaufloch. Verschüttete Flüssigkeiten und verdorbene Lebensmittel sollten immer sofort entfernt werden.
Im Gefrierfach ist die Situation weniger kritisch. Bei den üblichen Temperaturen von minus 12 bis minus 18 Grad Celsius können sich Erreger kaum noch vermehren. Die Lebensmittel sollten gut verpackt eingefroren werden. Aus hygienischer Sicht ist daher kein regelmäßiges Abtauen in festen Intervallen erforderlich, sondern eher bei stärkerer Eisbildung gemäß den Herstellerangaben und bei dieser Gelegenheit auch gleich gründlich putzen.
Obwohl er regelmäßig mit Wasser und Reinigungsmitteln arbeitet, reinigt sich ein Geschirrspüler nicht vollständig selbst. Vor allem in Sieben, an Dichtungen und Sprüharmen können sich Speisereste und Ablagerungen sammeln, weshalb diese Stellen regelmäßig kontrolliert und gesäubert werden sollten. Ilschner rät außerdem dazu, immer wieder Programme mit mindestens 60 Grad zu nutzen, um die Bildung von Biofilmen zu vermeiden. Im Alltag sind energiesparende Eco-Programme meist ausreichend; das Umweltbundesamt empfiehlt jedoch mindestens einmal monatlich einen Spülgang mit 65 Grad. Wie häufig eine zusätzliche Maschinenreinigung nötig ist, hängt unter anderem von der Wasserhärte und den Herstellerangaben ab.
Auch Kaffeemaschinen können zu Keimherden werden, wo Wasser und Kaffeereste zurückbleiben. Dies gilt für Vollautomaten, Kapsel- oder Filtermaschinen gleichermaßen. Besonders anfällig sind Abtropfschalen, Ausläufe und Wassertanks. Eine Untersuchung verschiedener Kaffeemaschinen bestätigte das Vorhandensein zahlreicher Keime, wenn auch keine bedrohlichen Krankheitserreger. Für gesunde Menschen besteht bei sachgemäßer Nutzung und Reinigung nach Herstellerangaben normalerweise keine besondere Infektionsgefahr. Dennoch sollten Auffangbehälter täglich geleert und gesäubert werden. Auch stehendes Wasser und alte Kaffeereste gilt es zu vermeiden. Gerade bei Vollautomaten mit schwer zugänglichen Schläuchen und Milchsystemen ist eine konsequente Reinigung wichtig.
Auch in geschlossenen Vorratsschränken können Hygieneprobleme entstehen, etwa bei Schimmel oder Schädlingsbefall wie Lebensmittelmotten. Trockene Lebensmittel sollten deshalb möglichst kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Ilschner empfiehlt, geöffnete Verpackungen entweder mit fest schließenden Verschlussclips zu verschließen oder in spülmaschinenfeste, dicht schließende Behältnisse umzufüllen. Diejenigen Packungen, die länger haltbar sind, sollten hinten lagern. Wer Larven, Gespinste, verklumpte Lebensmittel oder kleine Löcher in Verpackungen entdeckt, sollte befallene Lebensmittel entsorgen.
Temizel rät dazu, die Schränke anschließend gründlich auszusaugen und mit Haushaltsreiniger auszuwischen. Vorratsbehälter sollten heiß gespült werden. Danach gilt es, über mehrere Wochen zu kontrollieren, ob erneut Schädlinge auftauchen. Bei hartnäckigem Befall sollte ein Schädlingsbekämpfer engagiert werden. Die Verbraucherzentrale bietet im Internet einen Leitfaden zur Küchenhygiene an.
Die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren umfassen die regelmäßige Reinigung und den Austausch von Küchenutensilien, die Trennung von rohen und verzehrfertigen Lebensmitteln sowie die Beachtung der richtigen Putztechnik. Durch diese einfachen Schritte lässt sich das Risiko von Kreuzkontaminationen und der Ausbreitung von Krankheitserregern in der Küche deutlich reduzieren.
L.Sastre--MP