Münchener Post - Selenskyj warnt vor Folgen russischer Angriffe - Vucic für Integrität der Ukraine

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Selenskyj warnt vor Folgen russischer Angriffe - Vucic für Integrität der Ukraine
Selenskyj warnt vor Folgen russischer Angriffe - Vucic für Integrität der Ukraine / Foto: Andrej ISAKOVIC - AFP

Selenskyj warnt vor Folgen russischer Angriffe - Vucic für Integrität der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien seit Beginn des Ukraine-Kriegs vor den Folgen der verstärkten russischen Angriffe für den kommenden Winter gewarnt. Die Ukraine habe "praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr", sagte Selenskyj am Samstag nach Gesprächen mit Präsident Aleksandar Vucic in Belgrad. Vucic schloss eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine vorerst aus, bekräftigte aber die Unterstützung Serbiens für deren territoriale Integrität.

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In der Nacht zuvor wurden bei russischen Angriffen auf Kiew und Umgebung nach Angaben Selenskyjs mindestens vier Menschen getötet, darunter ein dreijähriger Junge. Insgesamt wurden nach Angaben Selenskyjs bei russischen Angriffen und dem Beschuss von Ortschaften in den Frontgebieten binnen 24 Stunden 13 Menschen getötet. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden.

"Die russischen Raketen zielen ganz konkret darauf ab, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen", sagte der ukrainische Präsident. Wärmekraftwerke erzeugen Strom durch die Verbrennung von Brennstoffen wie Kohle oder Gas und ergänzen in der Ukraine die Stromproduktion der Atomkraftwerke. Mit Vucic habe er über die "Herausforderungen gesprochen, vor denen die Ukraine in diesem Winter stehen wird".

Selenskyj forderte zugleich schärfere Sanktionen, um die Lieferung von Bauteilen für russische Raketen zu unterbinden. Solche Komponenten gelangten aus "fast allen Kontinenten, einschließlich von unseren engen Partnern" nach Russland, sagte er. "Diese Komponenten kommen an, und dann treffen Raketen Menschen und töten Kinder, Zivilisten und Soldaten." Die Ukraine brauche zudem mehr Abfangraketen.

In Puchiwka in der Region Kiew wurden in der Nacht zum Samstag nach Angaben Selenskyjs ein Großvater, eine Großmutter und ihr dreijähriger Enkel bei einem Drohnenangriff getötet. Die Eltern des Jungen, sein 15-jähriger Bruder und ein Nachbar wurden ins Krankenhaus gebracht. Ein weiterer Mensch wurde bei einem Angriff mit sechs ballistischen Raketen auf zivile Infrastruktur in Kiew getötet.

Bereits am Mittwoch waren bei nächtlichen russischen Angriffen auf Kiew und die umliegende Region mindestens 17 Menschen getötet worden. Wegen fehlender Abfangraketen konnte die ukrainische Luftabwehr dabei keine der eingesetzten russischen Raketen abschießen.

Selenskyj war Ende Juli nach Washington gereist und hatte US-Präsident Donald Trump um weitere Patriot-Flugabwehrsysteme gebeten. Mit diesen können auch leistungsfähige russische ballistische Raketen abgefangen werden. Der "Financial Times" zufolge lehnte Trump die Bitte wegen knapper US-Bestände infolge des Kriegs im Nahen Osten ab.

Der US-Senat stimmte am Freitag allerdings mit großer Mehrheit für neue Sanktionen gegen Russland. Das Paket zielt insbesondere auf die russische Öl- und Gasindustrie und sieht auch Zölle gegen wichtige Abnehmer russischer Energieträger wie China und Indien vor.

Bei den Gesprächen in Belgrad blieb eine militärische Zusammenarbeit nach Angaben Vucics außen vor. "Wir haben heute und derzeit über keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen", sagte der serbische Präsident. Was nach einem Ende des Kriegs geschehe, sei eine andere Frage. Zugleich bekräftigte Vucic, die Unterstützung Serbiens für die territoriale Integrität der Ukraine bleibe unverändert.

Die Aussagen sind wegen der traditionell engen Beziehungen Serbiens zu Russland bedeutsam. Belgrad ist zudem stark von russischen Gaslieferungen abhängig und eines der wenigen europäischen Länder, die sich den Sanktionen gegen Moskau nicht angeschlossen haben.

Der russische Auslandsgeheimdienst SVR hatte serbischen Rüstungsunternehmen im Mai 2025 vorgeworfen, über Drittstaaten Munition an die Ukraine zu verkaufen. Vucic kündigte daraufhin an, verdächtige Lieferverträge zu stoppen, und erklärte später, Serbien habe sämtliche Ausfuhren von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung eingestellt.

Zugleich unterstützt Serbien die Ukraine mit ziviler Hilfe. Selenskyj dankte Vucic am Samstag für einen "konstruktiven Dialog" und ein neues humanitäres Hilfsprogramm insbesondere in den Bereichen Medizin und Energie. Ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter hatte vor der Reise zu AFP gesagt, Kiew wolle "die Serben von der Seite Russlands wegziehen". Selenskyjs Besuch sei für Russland "ein Schlag ins Gesicht".

T.Gruber--MP