Greenpeace: Ölkonzerne machen im Juli Rekordübergewinne mit Sprit
Im Großhandel mit Diesel und Benzin haben die Mineralölkonzerne nach Angaben von Greenpeace im Juli "Übergewinne" in Rekordhöhe verbucht. Die Unternehmen hätten pro Tag 31,4 Millionen Euro an zusätzlichen Gewinnen eingestrichen, erklärten die Umweltschützer. Das Statistische Bundesamt machte die Energiepreise unterdessen als "zentralen Preistreiber" beim Anstieg der Inflation im vergangenen Monat aus - nach dem Auslaufen des Tankrabatts stiegen die Kraftstoffpreise demnach "sprunghaft" um 11,2 Prozent.
Greenpeace kritisierte am Mittwoch, dass die Spritpreise deutlich stärker gestiegen seien als die zugrundeliegenden Rohölpreise. Allein im Juli seien die zusätzlichen Gewinne der Unternehmen so "auf die neue Höchstmarke von 976 Millionen Euro" geklettert, erklärte die Organisation, die sich für ihre Auswertungen auf Berechnungen des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace stütze.
Für die Berechnungen wurden die Entwicklungen des Rohölpreises seit Beginn des Iran-Krieges mit den Tankstellenpreisen für Diesel und Benzin verglichen und auf den Kraftstoffabsatz in Deutschland hochgerechnet. Die Preise bei den Endprodukten an den Tankstellen sind demnach deutlich stärker gestiegen als der Rohölpreis beziehungsweise weniger stark gesunken im Fall gegenteiliger Entwicklungen am Rohölmarkt.
Bis Mitte April gehen die Umweltschützer so von insgesamt 1,18 Milliarden Euro aus, die auf dem deutschen Tankstellenmarkt an "Übergewinnen" erzielt worden seien. Bis Anfang Juli stieg die Summe demnach weiter auf 3,15 Milliarden Euro an, bis Ende des Monats seien dann 3,94 Milliarden Euro erreicht worden.
"Angesichts der immer noch problemlosen Versorgung der deutschen Raffinerien mit Rohöl kann diese Preisschere nicht durch höhere Kosten oder eine knappe Versorgung erklärt werden", kritisierte Greenpeace und verwies zudem auf die inzwischen vorliegenden Konzernbilanzen für das zweite Quartal. Mehrere Ölkonzerne hatten in den vergangenen Wochen massive Gewinnsteigerungen gemeldet. "Die Preissituation lässt nur den Schluss zu, dass es der deutschen Mineralölwirtschaft gelungen ist, ihre Gewinnmargen massiv auszuweiten", erklärten die Umweltschützer.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bestätigte am Mittwoch unterdessen seine erste Schätzung, dass sich die Teuerung der Verbraucherpreise im Juli deutlich auf 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat beschleunigte. Im Juni hatte die Inflationsrate noch 2,3 Prozent betragen. "Die Energiepreise verteuerten sich weiterhin überdurchschnittlich und blieben somit zentraler Preistreiber", erklärte die Präsidentin des Bundesamts, Ruth Brand.
Vor allem seien die Spritpreise deutlich gestiegen, "da gleichzeitig zum Ölpreisanstieg infolge des anhaltenden Iran-Kriegs der staatliche Tankrabatt am 30. Juni endete", fuhr Brand fort. Den Angaben nach waren Kraftstoffe im vergangenen Monat 23 Prozent teurer als im Vorjahresmonat Juli 2025. Damit stiegen die Spritpreise deutlich stärker an als im Juni und Mai dieses Jahres.
Verglichen mit dem Vormonat Juni 2026 seien die Preise für Kraftstoffe "sprunghaft" um 11,2 Prozent angestiegen, hob das Bundesamt zudem hervor. Dieselkraftstoff verteuerte sich demnach binnen eines Monats um 12,6 Prozent und Super um 11,0 Prozent.
S.Kraus--MP