Selenskyj besucht ukrainische Soldaten an der Front
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Soldaten an der Front im Südosten des Landes besucht. Er sei gemeinsam mit Armeechef Mychailo Drapaty an der Front im Sektor Oleksandriwskyj, erklärte Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten und veröffentlichte dazu ein Video, das die beiden im Gespräch mit Soldaten und bei dem Überreichen von Auszeichnungen zeigt. Die ukrainische Armee hatte eigenen Angaben zufolge in der Region zuletzt Gelände von den russischen Truppen zurückgewinnen können.
Der von Selenskyj besuchte Frontabschnitt liegt nahe der Kreuzungslinien der östlichen und der südlichen Front, im Überschneidungsbereich der Regionen Donezk im Osten, Dnipropetrowsk im Zentrum und Saporischschja im Süden der Ukraine.
Die ukrainische Armee, die sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion verteidigt, konnte eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr insbesondere in der Region Dnipropetrowsk wieder kleinere Geländegewinne verzeichnen. Demnach eroberte sie mehr als zwei Dutzend Dörfer zurück. Insbesondere der Einsatz von Drohnen erlaubte es ihr, die Frontlinie stabil zu halten.
Selenskyj sagte in dem von ihm veröffentlichten Video, er wolle mit dem Besuch seine "Dankbarkeit an die Kämpfer ausdrücken, dank denen die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer wiedererlangten Unabhängigkeit" am 24. August 1991 feiern konnte. Der Präsident erklärte, er habe bei seinem Besuch darüber gesprochen, wie die Verteidigung der Ukraine verstärkt werden könne. Zu den Themen hätten die Versorgung über Drohnen gehört, die Artillerie, die direkte Finanzierung der Truppen und die Probleme von Desertierungen und der Verpflichtung neuer Rekruten.
Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Daten des Institute for the Study of War (ISW) war der Frontverlauf im Juli stabil. Russland hält weiterhin etwas mehr als 19 Prozent der Ukraine besetzt, einschließlich der annektierten Krim-Halbinsel und Teilen der industriellen Donbass-Region, die aber schon von der russichen Invasion im Februar 2022 von pro-russischen Separatisten gehalten worden waren.
Die russischen Vorstöße erfolgten zumeist in den ersten Wochen der Invasion, die Geländegewinne danach konnten nur unter erheblichen Verlusten an Menschenleben erzielt werden.
M.Schulz--MP