"Zählen ihre Spiele noch?": Rufe nach City-Urteil werden laut
Nach dem Statement-Sieg von Manchester City beim FC Liverpool (3:0) werden die Rufe nach einer schnellen Entscheidung über mögliche Sanktionen im Finanzskandal lauter. Liverpools Teammanager Andoni Iraola betonte nach der Partie, dass "die Unsicherheit für niemanden gut" sei. Der frühere Reds-Star Jamie Carragher forderte: "Es darf auf keinen Fall bis zum Ende der Saison weitergehen, denn wir werden hier alle zum Narren gehalten."
Über eine Sanktion wurde bislang nicht entschieden. Sollte City mit seinem Einspruch keinen Erfolg haben, stehen Strafen von einem Punktabzug über einen Zwangsabstieg bis hin zur Aberkennung der Premier-League-Titel zwischen 2009 und 2018 im Raum. Für den Fall, dass sich das Verfahren über Monate zieht, bliebe hinter jedem City-Ergebnis ein Fragezeichen, fürchten Beobachter.
"Der Schatten des Geisterfußballs liegt über dem Sieg von Manchester City, dessen Bedeutung ungewiss ist", analysierte der renommierte Guardian - und fragte: "Zählen ihre Spiele überhaupt noch?" Die Daily Mail titelte derweil: "Fantasy Football", das Blatt schrieb von einem "schwarzen Tag in Anfield".
"Das ist derzeit nicht gut für die Premier League. Das ist mir heute gerade klar geworden", sagte Gary Neville, ehemaliger Kapitän von Manchester United und heutiger Experte, bei Sky. Er befürchtet: "Das ist wirklich schlecht für die Premier League, und das wird sich noch einige Monate hinziehen." In Liverpool kam es zu scharfen Anfeindungen gegen City: Auf Bannern bezeichneten die LFC-Fans ihren Rivalen etwa als Betrüger. Dazu sahen sich die Skyblues vehementen Buhrufen und Beschimpfungen ausgesetzt.
Manchester City steht mit sechs Siegen in Folge ohne Punktverlust an der Tabellenspitze. Eine unabhängige Kommission hatte den Vizemeister in mehr als 100 Fällen für schuldig befunden. Demnach soll City unter anderem mithilfe von Scheinverträgen mit mehreren Geschäftspartnern seine Einnahmen künstlich erhöht und Kosten verschleiert haben. Der zehnmalige Meister bestreitet jegliches Fehlverhalten und hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.
Die Berufung wird von einem dreiköpfigen Gremium verhandelt, über diese muss innerhalb von zwölf Wochen nach einer Anhörung entschieden werden. Laut BBC könne diese zeitliche Regelung gegebenenfalls außer Kraft gesetzt werden.
B.Fuchs--MP