Tausende protestieren am Brenner gegen Verkehrsbelastung - Befürchtetes Chaos bleibt aus
Auf der Brenner-Autobahn in Österreich haben am Samstag zahlreiche Menschen gegen die hohe Verkehrsbelastung protestiert - das befürchtete Verkehrschaos auf dem normalerweise viel befahrenen Alpenpass blieb zunächst jedoch aus. Nach der Sperrung der A13, die Österreich und Italien verbindet, versammelten sich dort seit dem Mittag tausende Demonstranten, wie ein AFP-Journalist beobachtete. Die Protestkundgebung gegen die Belastung der Anwohner durch den massiven Verkehr hatte der Bürgermeister des Ortes Gries, Karl Mühlsteiger, als Privatperson angemeldet.
Die Brenner-Autobahn war um 09.00 Uhr für den Lkw-Verkehr und um 11.00 Uhr auch für alle übrigen Fahrzeuge gesperrt worden. Die Sperrung gilt bis 19.00 Uhr. Am Mittag zogen Demonstrierende zu der Autobahn. Auf ihren Transparenten standen Slogans wie "Schluss mit dem Transit-Kollaps - Güter auf die Schiene".
Mühlsteiger zog ein positive Fazit der Protestkundgebung. "Es war überwältigend und es war fulminant", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner der Nachrichtenagentur AFP. Er sprach von knapp 5000 Demonstrierenden. Die Feuerwehr hatte die Zahl der Teilnehmer nach Angaben der Nachrichtenagentur APA zuvor mit 4500 angegeben.
Der Protest sei ein "sehr, sehr deutliches Zeichen an die hohe Politik", sagte Mühlsteiger. Die könne das Problem nun "nicht mehr kleinreden beziehungsweise ignorieren". Mühlsteiger hatte zuvor gesagt, das massive Verkehrsaufkommen auf der Brenner-Autobahn sei "für die Bevölkerung nicht mehr schaffbar, nicht mehr aushaltbar".
"Über zwei Millionen Transit-Lkw jedes Jahr, das ist einfach zu viel, die Bevölkerung leidet", sagte ein Demonstrant zu AFP. Es werde "viel zu wenig auf die Schiene verlagert".
Obwohl der Protesttag auf der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer fiel, blieb das befürchtete Verkehrschaos zunächst aus.
Es sei "sehr viel weniger los gewesen als sonst an einem Samstag", sagte Harald Lasser vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) AFP am späten Nachmittag. Die Menschen hätten die Warnungen ernst genommen und ihre Fahrten offenbar verschoben. "Die Katastrophe ist ausgeblieben, weil wir sie angekündigt haben", betonte Lasser.
Auch an der Grenze habe die Wartezeit höchstens eine Stunde betragen, was "normal" sei. Allerdings schloss der ÖAMTC einen zäheren Verkehr in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntag oder Montag nicht aus, weil dann womöglich viele führen, die ihre Fahrt verschoben hatten. "Nun warten wir, wann sie kommen, denn kommen werden sie", sagte Lasser mit Blick auf die nach Österreich Rückreisenden.
Auch auf deutscher Seite kam es am Samstag zu keinen nennenswerten Beeinträchtigungen. "Das Chaos ist ausgeblieben, es war den ganzen Tag über ruhig", sagte ADAC-Sprecherin Miriam Melanie Köhler AFP. Die meisten Fahrerinnen und Fahrer hätten sich offenbar auf die Situation eingestellt, die Warnungen ernst genommen und auf Fahrten durch die betroffene Region verzichteten. ADAC-Staubeobachter auf Motorrädern, die auf der Strecke im Einsatz waren, seien bereits wieder auf dem Weg nach Hause, fügte sie hinzu.
Wegen des Protests musste das Gebiet weiträumig umfahren werden. Die Brennerstraße B182, die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) durften am Samstag nur Fahrer nutzen, die in der Gegend zu tun hatten. Sie mussten dafür einen Nachweis erbringen wie etwa eine Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einen Lieferschein.
Der ADAC und das Auswärtige Amt (AA) in Berlin hatten im Vorfeld vor Staus auf Ausweichstrecken bis in den Sonntag hinein gewarnt. "Ein Verkehrschaos zeichnet sich ab", hieß es am Freitag vom ADAC. "Es gibt keine Ausweichmöglichkeit", warnte das AA. Die Sperrung der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien fiel in die Pfingstferien von Bayern, Baden-Württemberg sowie Sachsen-Anhalt.
Laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ hatten im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen die Brennerautobahn genutzt. Auf den Transitrouten der benachbarten Schweiz seien es hingegen nur rund 860.000 Lkw gewesen. Der Grieser Bürgermeister Mühlsteiger wirbt daher dafür, die Lkw-Maut auf der Brennerautobahn auf das Schweizer Niveau anzuheben.
Der italienische Bahnbetreiber Trenitalia meldete unterdessen eine massive Beeinträchtigung des Bahnverkehrs zwischen Österreich und Italien am Samstag. Grund für die Verzögerung auf der Strecke vom Brenner nach Verona sei "mutwillige Sachbeschädigung durch Unbekannte, die Schäden an der Infrastruktur verursacht haben", hieß es auf der Internetseite des Bahnunternehmens. Der Verkehr sei verlangsamt und es könne zu bis zu 30 Minuten längeren Fahrzeiten kommen.
D.Johannsen--MP